Ralf Glaser
Porträt Jockel Faulhaber
Erschienen in RoadBIKE, Sommer 2006
Sein großes Idol Udo Bölts zu kritisieren, käme Jockel Faulhaber niemals in den Sinn. Aber am Unverständnis in Faulhabers Gesicht und Stimme ist abzulesen, dass er dessen Einstellung zum Thema Fahrrad ganz und gar nicht teilt: „Für den Udo ist ein Rennrad ein Gebrauchsgegenstand!“ Immerhin ist diese Haltung Faulbabers Schaden nicht. Schließlich bildet eine ganze Kollektion ausgemusterter Bölts’scher Boliden Grundstock und Blickfang für „Jockels Rennradmuseum“, das Faulhaber in Kaiserslautern voller Liebe und Enthusiasmus betreibt.
Die Sammlung des Pfälzers ist ein bunt gemischtes Potpourri aus Kuriositäten aller Epochen des Radsports. Vom Regent-Halbrenner aus den zwanziger Jahren über einen Zeitfahrboliden von Miguel Indurain bis hin zum letzten Dienstfahrrad in Eddy Merckx’ Profikarriere. Vom grünen Trikot Erik Zabels über die Original-Koje des Volker Diehl beim Kölner Sechstagerennen bis hin zu den signierten Startnummern des Gerolsteiner Teams bei der Tour de France 2004 – in Jockels Rennradmuseum kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nur Jan Ullrichs Radmütze vom 19. Juli 1997 fehlt in Jockels Rennradmuseum. Kurz vor dem Anstieg nach Alpe d’Huez hatte Ulle sich während der Fahrt – Udo Bölts beschreibt es in seinem Buch „Quäl dich, du Sau!“ – in diese Radmütze erleichtert. „Wenn ich die hätte, würde ich sie in Gießharz einlassen und ihr einen Ehrenplatz geben“, sagt Faulhaber. Und trotz des dröhnenden Lachens, das dieser Aussage folgt, steht außer Zweifel, dass er das genau so meint.
Die Wurzeln von Jockel Faulhabers Sammelleidenschaft reichen weit zurück. Rennen ist er gefahren, immerhin bis zur A-Jugend. „Allerdings bin ich mehr gerne gefahren als gut“, erinnert er sich lachend. Aber er bekam dabei Kontakt zu den Jungs am Heinrich-Heine-Sportgymnasium in Kaiserslautern, einer Radsport-Kaderschmiede, in der so illustre Karrieren wie die eines Jörg Jacksche oder eines Kai Hundertmarck ihren Anfang nahmen. Als großer Fan begleitete Faulhaber seine deutlich besser radelnden Idole zu den immer renommierteren Rennen, was ihm beste Gelegenheit zum Abstauben von Trikots und zum Abschrauben von Straßenschildern bot.
Als die Kisten mit seinen Reliquien schließlich vom Keller auf das ganze Domizil der Familie übergequollen waren, blieb als logische Folge nur noch die Eröffnung eines Radsportmuseums. Und das ausgerechnet in der Fußballstadt Kaiserslautern. „Wäre ich mit einem Fritz-Walter-Museum gekommen, dann hätten sie mir den roten Teppich ausgerollt“, erzählt er über seinen vergeblichen Versuch, finanzielle Unterstützung für sein Projekt zu bekommen. „Als ich dann aber für eine Benefiz-Veranstaltung Eddy Merckx und Charly Gaul nach Kaiserslautern geholt habe, ließen sich die Honoratioren gerne mit ihnen ablichten.“ Sei’s drum. Zu sehen, wie lebende Legenden wie Eddy Merckx in seinem Museum plötzlich leuchtende Augen bekommen, ist Faulhaber ohnehin eine größere Anerkennung, als es ein noch so großer Scheck je sein könnte. Denn wenn schon nicht mit Udo Bölts, will Jockel Faulhaber seine grundlegende Einstellung wenigstens mit anderen Radsportverrückten teilen: Rennräder sind eben eindeutig mehr als nur Gebrauchsgegenstände!